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Briefe der Freundschaft

Der Briefwechsel zwischen Klaus Groth und Johannes Brahms

Im Mittelpunk dieses spannenden Online-Projekts der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein und der Klaus-Groth-Gesellschaft steht die norddeutsche Künstlerfreundschaft zwischen dem Komponisten Johannes Brahms und dem niederdeutschen Dichter Klaus Groth. Die Brahms-Gesellschaft und die Klaus-Groth-Gesellschaft werden wöchentlich in einem alternierenden Rhythmus den Briefwechsel von Klaus Groth und Johannes Brahms online auf den Webseiten veröffentlichen. Schauen Sie also auch regelmäßig auf die Seite der Brahms-Gesellschaft.
Der gesamte Briefwechsel zwischen den beiden Künstlern mit zahlreichen Anmerkungen und sehr lesenswerten Erinnerungen von Klaus Groth an seinen Freund Johannes Brahms ist 1997 im Boyens Buchverlag unter dem Titel „Johannes Brahms – Klaus Groth. Briefe der Freundschaft“ erschienen. Das Buch liegt für interessierte Besucher im Brahms-Haus zur Ansicht aus und kann dort auch erworben werden. Mit besonders dankenswerter Unterstützung vom Boyens Buchverlag.

 

 

 

 

57. Groth an Brahms

Kiel, 16. Nov. 1886

Lieber Freund!

Schon seit lange habe ich Dir schreiben wollen; ich hörte im Frühling von dem Hofkapellmeister Koempel aus Weimar Deine Violinsonate in einer Vollkommenheit spielen, wie ich sie nicht von Marie Soldat noch von Heckmann oder sonst je gehört habe. Er spielte sie (mit einem befreundeten Dilettanten) mir zu drei verschiedenen Malen allein vor. Allerdings vernahm ich bei der Gelegenheit, daß er die So na te allein schon (oder noch) mit diesem Klavierspieler einen Monat lang täglich geübt hat, jede Klangwirkung bei verschiedener Applikatur durchprobiert, jede Passage wieder und wieder durchgenommen. Ich war entzückt und erstaunt. Er spielte auch einmal die Kreutzersonate sehr schön und sagte mir, als er dann Deine Regensonate vorgetragen hatte, später gelegentlich: das ist die einzige, die mir, wenn ich sie zum tausendsten Male gespielt habe, noch immer neue Schönheiten offenbaren wird. Auch Dein Konzert trug er mir vor, das studierte er noch, und sein Partner war seiner eignen Partie noch gar nicht mächtig. – Dies Dir zu schreiben, nahm ich mir schon damals vor, im Fall Koempel Dir einmal nahekommen sollte, denn er ist ein bescheidener Mann. Vielleicht gar könntest Du ihn gelegentlich protegieren, wenn er in Deiner Nähe konzertieren sollte. Einen bessern findst Du nicht. Nächstens spielt Marie Soldat hier, und kürzlich gab d’Albert ein Konzert. Das erinnerte mich an meine Schuld. D’Albert trug mir Grüße an Dich auf. Ich nahm ihn mit nach Forsteck zu Dr. Meyer zum Mittag. Dort wohne ich nämlich und soll Dich von ihm grüßen. Seine Frau ist in Berlin, und ich bin ganz allein, da nun auch mein Jüngster fort ist, auf die technische Hochschule in Hannover. Der „Säugling“, mein Ältester, ist in Argentinien in Südamerika im Geschäft bei Vettern, die dort Besitz haben, sitzt mehr zu Pferde als auf dem Kontorbock, mehr am Urwalde als unter Menschen. Doch ist er frisch und heiter.
Ich vernehme, daß Spengel Dein Requiem einübt. Ich komme zur Ausführung, Du auch? Emil Thomsen schrieb mir aus den Bergen, Du habest wieder von meinen Hundert Blättern komponiert, u. a. Im Herbst für Chor. Ich dachte dabei an Dein unvergleichliches Schicksalslied. Daß ich neugierig bin, kannst Du denken. Wenn Deine letzte Symphonie vierhändig erschienen ist, so stößt Du wohl Simrock an, daß er mir sie schickt. Und eine Violinsonate hast Du wieder fertig? so lese ich.
Also ich wohne auf Forsteck so lange, bis Dr. Meyer nach Hamburg geht, nun schon 5 Wochen, zum Teil darum, weil ich mich seit längerer Zeit wenn nicht krank, so doch unbehaglich fühle. Ich muß Karlsbader gebrauchen, vielleicht wird’s danach besser. – Mit M. Soldat kommt Walter; ist das nicht der, der den Schubert karikiert? Dann lauf ich weg. Ach, daß v. d. Meden tot ist! Der sang Schubert und Brahms!

Dein Klaus Groth

 

 

 

 

 

 

Klaus Groth - Jubiläumsmagazin zum 200. Geburtstag

„An He¸ ben seil de stille Maan.“
Klaus Groth – Sein Leben, sein Werk
Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr
Klaus Groth in der heutigen Zeit

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