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Briefe der Freundschaft

Der Briefwechsel zwischen Klaus Groth und Johannes Brahms

Im Mittelpunk dieses spannenden Online-Projekts der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein und der Klaus-Groth-Gesellschaft steht die norddeutsche Künstlerfreundschaft zwischen dem Komponisten Johannes Brahms und dem niederdeutschen Dichter Klaus Groth. Die Brahms-Gesellschaft und die Klaus-Groth-Gesellschaft werden wöchentlich in einem internierenden Rhythmus den Briefwechsel von Klaus Groth und Johannes Brahms online auf den Webseiten veröffentlichen. Schauen Sie also auch regelmäßig auf die Seite der Brahms-Gesellschaft.
Der gesamte Briefwechsel zwischen den beiden Künstlern mit zahlreichen Anmerkungen und sehr lesenswerten Erinnerungen von Klaus Groth an seinen Freund Johannes Brahms ist 1997 im Boyens Buchverlag unter dem Titel „Johannes Brahms – Klaus Groth. Briefe der Freundschaft“ erschienen. Das Buch liegt für interessierte Besucher im Brahms-Haus zur Ansicht aus und kann dort auch erworben werden. Mit besonders dankenswerter Unterstützung vom Boyens Buchverlag.

 

 

28. Doris Groth an Brahms

Kiel, d. 30. Okt. [18]74

Lieber Herr Brahms,

Ich erwartete, daß Klaus Ihnen schreiben würde über den großen unvergeßlichen Eindruck, den Ihr c-moll-Quartett, ausgeführt von den Florentinern, auf uns gemacht hat; aber er verläßt sich darauf, daß ich schreiben werde. Wir hatten viel erwartet, nachdem wir das Quartett auf dem Klavier kennengelernt hatten, aber wir sind fast erschrocken über die große Wirkung. Wir hörten vorher Haydn, nachher Beethoven 74 Es-dur. Ihr Quartett war die Krone des Abends, eine neue Welt in der Musik, die das Herz trifft. In meiner Nähe hörte ich zwei Herren sprechen, Professoren, beide sehr der Musik ergeben u. ausübend.
„Nein, den Brahms versteh ich nicht“, sagte der eine, „da ist mir der Haydn ganz anders verständlich“; der andere erwiderte: „Ob ich den Brahms verstehe, das weiß ich nicht, aber er rührt mich in den Mittelsätzen fast zu Tränen, er trifft mein Herz, erschüttert mich, ob das aber Verstehen heißt, weiß ich nicht, doch ich verlange nicht mehr.“
Ich könnte Ihnen noch einige Geschichtchen mehr drolliger Art erzählen, fürchte aber, Sie zu ermüden. Wissen möchte ich von Ihnen, ob Sie mit der Wiedergabe des letzten Satzes zufrieden sind, wie die Florentiner ihn geben? Die Herren spielten vollkommen schön, wir sind jedesmal beglückt, wenn sie Kiel besuchen. Wir sehen mit freudiger Erwartung Ihren neuen Liedern entgegen, mir sind diese drei Gedichte von Klaus besonders lieb, diese Sehnsucht nach einem ruhigen Glück ist in der Sehnsucht nach der Kindheit so schön ausgesprochen. Sonntags werden bei uns immer Lieder von Ihnen gesungen, Dr. Thomsen, wenn er hier ist, begleitet sie sehr vortrefflich. Klaus spielt aber auch manche, u. ich summe dazu. Die Regenlieder gehören zu den größten und schönsten, was wir besitzen. Für uns ist es eine große Entbehrung, so selten gute Musik hören zu können. In Kiel ist nichts. Das Reisen, um Musik zu hören, möchten wir schon tun, aber da sind gewöhnlich triftige Gründe, es zu unterlassen. Vorgestern waren wir zu Herrn Warburg geladen in Altona, da sollte Ihr a-moll Quartett gespielt werden, und ich hätte so gern Lieder von Ihnen singen hören von einem Frl. Magnus aus Wien; es sollte eine Soiree für Brahms-Musik sein, aber wir kamen nicht hin. Klaus grüßt Sie herzlich, auch die Jungen, die eben aus der Schule kommen. Der Oktober ist dies Jahr ein warmer Sommer-Monat gewesen, es ist noch vollkommen grün bei uns, das Gärtchen freundlich, der Wald noch schön und blau die See. Aber das lockt Sie nicht; wenn Sie im Sommer ausbleiben, werden Sie im Winter nicht kommen. Bei Ihnen in Wien ist’s wohl auch schön, ich war nie da.

Ihre ergebene Doris Groth.

 

 

 

Klaus Groth - Jubiläumsmagazin zum 200. Geburtstag

„An He¸ ben seil de stille Maan.“
Klaus Groth – Sein Leben, sein Werk
Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr
Klaus Groth in der heutigen Zeit

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