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Briefe der Freundschaft

Der Briefwechsel zwischen Klaus Groth und Johannes Brahms

Im Mittelpunk dieses spannenden Online-Projekts der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein und der Klaus-Groth-Gesellschaft steht die norddeutsche Künstlerfreundschaft zwischen dem Komponisten Johannes Brahms und dem niederdeutschen Dichter Klaus Groth. Die Brahms-Gesellschaft und die Klaus-Groth-Gesellschaft werden wöchentlich in einem internierenden Rhythmus den Briefwechsel von Klaus Groth und Johannes Brahms online auf den Webseiten veröffentlichen. Schauen Sie also auch regelmäßig auf die Seite der Brahms-Gesellschaft.
Der gesamte Briefwechsel zwischen den beiden Künstlern mit zahlreichen Anmerkungen und sehr lesenswerten Erinnerungen von Klaus Groth an seinen Freund Johannes Brahms ist 1997 im Boyens Buchverlag unter dem Titel „Johannes Brahms – Klaus Groth. Briefe der Freundschaft“ erschienen. Das Buch liegt für interessierte Besucher im Brahms-Haus zur Ansicht aus und kann dort auch erworben werden. Mit besonders dankenswerter Unterstützung vom Boyens Buchverlag.

 

 

6. Brahms an Groth

Okt. 68 [= Bremen, 4. November 1868]

Werter Freund,

Das ungleiche Tempo des Telegrafierens u. des Schreibens bringt oft sonderbare Unruhe. Sie fragen im Brief wegen Schleswig allerlei, das hoffentlich der Telegraf längst in Ordnung gebracht hat.
Stockhausen kann nicht, u. ich habe Frau St[ockhausen] schon vor etlichen Tagen gebeten, in diesem Fall natürlich auch für mich abzusagen.
Es wird doch keine Konfusion geben u. wirklich alles besorgt sein?!
Ich habe versprochen, hier am 7. in einer Quartett-Soiree zu spielen – nachdem eben das Schleswiger Konzert abbestellt!
Wie Sie sehen, bin ich hier einige Tage gehalten, damit dies aber unsern freundlichen Konzert-Vater nicht beunruhigt, will ich hier doch gleich mein Programm-Teil herschreiben, das aber natürlich elastisch wie Gummi sich nach Ihren Wünschen richten kann.
1. Stockhausen
2. a) Präludium von Bach
   b) Fuge von Beethoven
3. Stockhausen
4. a) Rondo von Couperin (Franz.)
   b) Gavotte von Gluck
   c) Rondo von Weber
5. Stockhausen
6. a) Etude von Chopin
   b) Ungarische Tänze von Brahms
7. Stockhausen
Ich kann erst am 8. früh von hier fahren, mir ist das sowohl leid als unangenehm; aber ich konnte den Musikern ihre Bitte nicht abschlagen u. halte dadurch nur schon ein vorjähriges Versprechen.
Frau Schumann, die gestern hier spielte, grüßt Sie, Ihre Frau u. Litzmanns herzlich.
Desgleichen


Ihr ergebener


Johs. Brahms


7. Brahms an Groth

 

[Hamburg, um den 20.] April [18]71

Lieber, verehrter Freund,

Ihr Brief hat mir große Freude – aber recht viel Kopfzerbrechen verursacht. Gar zu gern hätte ich Sie besucht, es war leider unmöglich. Für die wenigen Tage, die ich hier zubrachte, nahmen mich mannigfaltigste Dinge derart in Anspruch, daß ich nicht daran denken konnte, es möglich zu machen. Heute reise ich nun nach Bremen ab, wo ich vermutlich die nächste Woche bleiben werde. Dann denke ich für den Sommer nach Lichtental (Baden) zu gehen.
Ich kann mich nicht entschließen, den Umweg über H[am]b[ur]g u. – Kiel zu machen, so sehr mich manches locken will. Ich sehne mich herzlich nach Ruhe. Den Gedanken jedoch möchte ich festhalten, zum Herbst nach Norddeutschland zu kommen – kann ich ja meinen Titel als Virtuosen vorschützen u. das Bedürfnis, mir damit Geld zu verdienen.
In Bremen haben wir herzlich Ihrer gedacht u. oft. Ihr schöner zweiter Teil, den ich gleich bei Reinthalers vorfand, trug mir dann die heimatlichen Klänge in einer Weise entgegen, die ich freilich nicht erwarten konnte. Wir hätten dazu im Zimmer Ihre Zuhörer sein sollen u. Sie der unsre im Dom!
Ich kann nur diesen eiligen Gruß senden u. recht sehr hoffen, ich möge zum Herbst zurückkommen. Dann stoßen wir jedenfalls auf unser Deutschland an!
Seien Sie bestens gegrüßt


von Ihrem


Johs. Brahms.

 

 

 

Klaus Groth - Jubiläumsmagazin zum 200. Geburtstag

„An He¸ ben seil de stille Maan.“
Klaus Groth – Sein Leben, sein Werk
Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr
Klaus Groth in der heutigen Zeit

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