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Briefe der Freundschaft

Der Briefwechsel zwischen Klaus Groth und Johannes Brahms

Im Mittelpunk dieses spannenden Online-Projekts der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein und der Klaus-Groth-Gesellschaft steht die norddeutsche Künstlerfreundschaft zwischen dem Komponisten Johannes Brahms und dem niederdeutschen Dichter Klaus Groth. Die Brahms-Gesellschaft und die Klaus-Groth-Gesellschaft werden wöchentlich in einem alternierenden Rhythmus den Briefwechsel von Klaus Groth und Johannes Brahms online auf den Webseiten veröffentlichen. Schauen Sie also auch regelmäßig auf die Seite der Brahms-Gesellschaft.
Der gesamte Briefwechsel zwischen den beiden Künstlern mit zahlreichen Anmerkungen und sehr lesenswerten Erinnerungen von Klaus Groth an seinen Freund Johannes Brahms ist 1997 im Boyens Buchverlag unter dem Titel „Johannes Brahms – Klaus Groth. Briefe der Freundschaft“ erschienen. Das Buch liegt für interessierte Besucher im Brahms-Haus zur Ansicht aus und kann dort auch erworben werden. Mit besonders dankenswerter Unterstützung vom Boyens Buchverlag.

 

 


51. Groth an Brahms

Kiel, 11. Juli 1885

Lieber Freund!

Als ich vor dem Fest Frl. Spies vom Bahnhofe abholte, sagte sie mir sogleich: Ich habe ein neues Lied von Brahms: Komm bald! Ich sage: Das ist ja mein Text! „Jawohl! Wer ist A...?“ Das ist Frau Anna Huethe. „Haben Sie die so lieb? die wir ja kennen?“ Eben die. „Aber es steht auch darauf: An H... von Johannes Brahms!!“ Schön, wollen’s hören. – – Weiber sind köstlich! Aber darum sind sie köstlich. – Dein Lied ist herrlich. Herminchen hat es mir nach dem Fest privatim gesungen, sie hat es noch nicht so inne, daß alles herauskommt, wie sie wohl weiß, denn sonst hätte sie es am Abend vorher in größerer Gesellschaft bei Langes, wo sie wohnten, nicht zurückgehalten; dort sang sie einmal Mainacht u. a. von Dir und damit alles in Grund und Boden. Ich sagte ihr dort einmal: Sie singen heute, man muß ja heulen. „Sie haben ja geheult“, antwortete sie lachend, „ich hab’s wohl gesehen!“ So, sagte ich, ich wischte mir bloß das Gesicht bei die [sic] Hitze. – Du hättest den Tag mit sein müssen. Wir fuhren morgens auf einem größeren Langeschen Dampfschiffe in See, kleine Gesellschaft, regnigtes Wetter, was der Stimmung nicht schadete und den Nerven nach dem Fest nützlich war, bis wir, umgezogen, bei Langes ins Diner gingen, nette Gesellschaft. Gewiß haben wir Dein gedacht.
Der letzte Bericht an Dich mit dem Textbuch war gleichzeitig mit der Postkarte von mir und Herminchen fertig, hatte sich aber bei Langes bisher verkrümelt, wohin ich ihn wegen Deiner Adresse gesandt.
Unser Fest ist gelungen und ein Sieg gegen Clique, Klatsch und Kleinkrämer, um mit Wagner zu allitterieren. Für uns ist die Sache um so wichtiger, als wir nun nicht mehr von s. g. berühmten auswärtigen Direktoren, wie Joachim und Karl Reinecke, abhangen. Wenn ich lebe, kommst Du fürs nächste Mal als Komponist an die Reihe, und dann versagst Du uns hoffentlich nicht, auch persönlich zu erscheinen und etwas zu dirigieren.
Meine beiden Jüngsten haben alles gründlich mitgenossen, Carl war hier von Bremen, und August hatte zwei Tage Ferien, er arbeitet hier in einer Eisenfabrik, um später auf eine polytechnische Schule zu gehen, wird ein Kerl! läßt grüßen. Mein lieber Langer, der Säugling, hat eine Stelle in einem der ersten Kaufhäuser in London, bei Kleinwort, ist sehr frisch. Frau Meyer ist leidend, in der Schweiz; auf Forsteck trank ich heute, wie öfter, meinen Morgenkaffee. Mein Garten ist bei dieser Wärme herrlich schattig. Laß bald von Dir hören, am liebsten eine Symphonie, aber ein Lied wie Komm bald ist auch unzerstörbar.

In alter Liebe

Dein Klaus Groth

 

Im nächsten (August) Heft Nord u. Süd kommt ein Aufsatz von mir.
Achte darauf, wenn ich vielleicht ihn Dir nicht schicken kann.

 

 

 

 

Klaus Groth - Jubiläumsmagazin zum 200. Geburtstag

„An He¸ ben seil de stille Maan.“
Klaus Groth – Sein Leben, sein Werk
Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr
Klaus Groth in der heutigen Zeit

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